Kampf für Corona-Hilfe

Reisebüro-Inhaber ruft zu „Konsultationswoche“ auf

Seine Idee, eine Demonstration zu organisieren, hat Schule gemacht. Jetzt hat Reisebüro-Inhaber Rainer Maertens einen weiteren Vorschlag: Er hat um ein Gespräch bei seinem Wahlkreisabgeordneten gebeten – und ruft die Kollegen zu einer „Konsultationswoche“ auf.

Reisebüro-Inhaber Rainer Maertens ruft bundesweit dazu auf, das persönliche Gespräch mit Bundestagsabgeordneten der Union oder der SPD zu suchen.
Foto: privat

Der Brief ist zwei Seiten lang und gerichtet an den „sehr geehrten Herrn Abgeordneten Lämmel“: Rainer Maertens, Inhaber von Meine Reisewelt in Dresden, hat seinen Wahlkreisabgeordneten Andreas Lämmel angeschrieben und bittet darin um einen Termin am 20. Mai. Im Gespräch will Maertens dem Bundestagsabgeordneten darlegen, weshalb die Touristikbranche dringend Finanzhilfe braucht. Doch Maertens will nicht alleine das Wahlkreisbüro besuchen. Drei weitere Betroffene, die bei Reisebüros, Reiseveranstaltern und in der Busbranche arbeiten, wollen ihn begleiten.

Maertens gehört zu den Touristikern in Dresden, die Ende April einen Buskorso durch die Stadt organisierten und damit einen wichtigen Impuls zur Entstehung der bundesweiten Reisebüro-Proteste gaben.

Um die Dringlichkeit ihres Anliegens zu unterstreichen, könnte eine bundesweite Besuchsaktion beim jeweiligen Wahlkreisabgeordneten vielleicht ein weiterer Weg sein, um Hilfe in der Corona-Krise zu bekommen, sagt er. Er jedenfalls habe bei Lämmel schon um einen Termin gebeten. Kolleginnen und Kollegen könnten es ihm gleich tun und sich „an Ihre CDU/CSU- und SPD-Abgeordneten in Ihren Wahlkreisen zu Gesprächen/Konsultationen verabreden, um die Abgeordneten der Koalition für unser Anliegen zu gewinnen“, so der umtriebige Reisebüro-Inhaber.

Seinen Brief an den Abgeordneten, in dem er um einen Termin bittet, hat er Traveltalk zur Verfügung gestellt. Hier der Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Abgeordneter Lämmel,

der Tourismus ist wie eine mechanische Uhr. Sie funktioniert nur, wenn alle Zahnräder dieser mechanischen Uhr gleich gepflegt und gewartet werden. Fällt ein Zahnrad aus, fällt alles zusammen.

Um diese Uhr auch nach der Corona-Krise funktionierend sehen zu können, bitte ich Sie um einen Gesprächstermin am 20. Mai 2020 / 10:00 bei Ihnen im Wahlkreisbüro. Ich werde von einem Vertretermix von zwei, drei weiteren Betroffen aus Reisebüros, Reiseveranstaltern und der Busbranche begleitet.

Durch die Corona-Krise wird der gesamten Tourismusbranche die Geschäftsgrundlage entzogen. In den kommenden Wochen droht der komplette Zusammenbruch vieler Unternehmen und ganzer touristischer Wertschöpfungsketten.

Weit über 2,9 Millionen Arbeitsplätze sind allein in Deutschland mittelbar und unmittelbar gefährdet. Europaweit sind viele Millionen Arbeitsplätze in Gefahr.

Wir möchten bei diesem Gespräch unsere Anliegen und unsere Forderungen Ihnen persönlich vortragen und Sie für die Unterstützung der Branche bei Bundesminister Scholz und Bundesminister Altmeier gewinnen.

Forderungen der gesamten Tourismuswirtschaft:

1. Weitere finanzielle Soforthilfen:

Gesunde Unternehmen sind völlig unverschuldet in diese Krise geraten. Dringend müssen weitere Soforthilfen für die besonders stark und langfristig betroffenen mittelständischen und kleinen Betriebe der Tourismuswirtschaft verabschiedet werden, unter Beachtung der besonderen Struktur der Tourismuswirtschaft. Keine Unterstützung nach einem Gießkannenprinzip, sondern zielgenau auf Grundlage der BWA des vergangenen Jahres.

Erklärung der besonderen Situation Tourismuswirtschaft:

Die Tourismuswirtschaft erwirtschaftet grundsätzlich ihre Einnahmen und Rücklagen zwischen Ostern und Oktober. Ab Oktober werden diese angesparten Rücklagen für die nächste Saison für Betriebs- und Personalkosten, Reisekataloge, Messen und Anzeigen benötigt. Diese Rücklagen sind nun verloren und können aufgrund der ausgefallenen Saison nicht mehr durch Reisen refinanziert werden. Diese müssen durch zusätzliche Zuschüsse aufgefangen werden. Für die Zeit nach der Corona-Krise muss die Branche wieder liquide Mittel aufwenden, um in die oben genannten Vorleistungen neu investieren zu können.

Die Corona-Krise beginnt in der Tourismuswirtschaft nicht mit März 2020, sondern rückwirkend bereits im Herbst 2019. Alle seit letztem Herbst eingenommenen Gelder müssen wieder an die Kunden zurückgezahlt werden. Keine andere Branche musste ihre Einnahmen der letzten 6 Monate aufgeben. Darum sind dringend Zuschüsse nötig, die Zeit für eine erfolgreiche Hilfe wird knapp.

2. KfW Kredite:

Öffnung der KfW Schnellkredite auch für Unternehmen mit unter zehn Mitarbeitern. Unternehmen mit unter zehn Mitarbeitern stehen aktuell keine KfW Kredite ohne bankübliche Prüfungen zur Verfügung (Basel Kriterien). Mir selbst wurde der KfW-Unternehmerkredit für Unternehmen, die mindestens 5 Jahre am Markt sind, abgelehnt, obwohl ich seit 10 Jahren ein positives Betriebsergebnis, mit den daraus resultierenden Gewinnsteuern, erzielt habe.

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Lämmel, ich freue mich über eine Zusage zum Gesprächstermin und hoffe, dass auch Ihre Kolleginnen und Kollegen des Bundestages meine Tourismus-Kolleginnen und Kollegen deutschlandweit am 20. Mai in ihren jeweiligen Wahlkreisbüros zu Gesprächen begrüßen werden.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Rainer Maertens“

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