Bundesweite Demos

Protestler verschaffen sich lautstark Gehör

Was für eine Bilanz: Mehr als 50 Städte waren am Mittwoch bei den bundesweiten Reisebüro-Demos dabei. Und dabei ließ sich auch der eine oder andere Politiker bei den Protestaktionen blicken.

„Auch Reisebüros wollen Corona überleben“ – die Botschaft in Frankfurt war klar.
Foto: Alex Mirschel

Es ist die dritte Woche der bundesweiten Proteste von Reisebüro-Mitarbeitern, die damit auf ihre existenzbedrohende Lage aufmerksam machen wollen und von der Bundesregierung finanzielle Soforthilfen fordern. Stuttgart, München, Köln, Dortmund, Gießen, Bremen – das sind nur einige von fast 50 Städten, in denen heute Reiseverkäufer demonstrierten.

Leider nicht bereit für den Abflug: In Hamburg demonstrierten die Reisebüro-Mitarbeiter am Flughafen.
Foto: Christian von Schröder

Eine von ihnen war Nina Orschel aus dem TUI Travel Star Reisebüro Wilhelmpassage in Wiesbaden. Sie ging am Mittwoch zum zweiten Mal auf die Straße und nahm mit gut 40 anderen Verkäufern an den Reisebüro-Demos in Wiesbaden teil. Beim ersten Mal hatte sie schon zwei Koffer dabei und hatte gehofft, dass der Staat sie zeitnah füllt. „Leer Koffer, leere Kassen“, so damals ihr Slogan. Nun steht sie erneut mit ihren leeren Koffern vor der hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden. „Die Soforthilfe von 10.000 Euro, die ich für mein Büro mit den zwei Angestellten bekommen habe, wird im Juni auslaufen. Dann werde ich ohne Einnahmen dastehen“, so die Frau, die seit 20 Jahre in der Touristik aktiv ist, seit fünf Jahren mit einem eigenen Reisebüro. „Es muss was passieren, sonst droht Hartz IV“, sagt Orschel.

Proteste in der Hauptstadt: Zusätzlich zu den Protesten am Brandenburger Tor, stellten Reiseprofis auch einen Auto- und Buskonvoi auf die Beine.
Foto: Privat

Gehör konnten sich die Demonstranten unter anderem bei Tarek Al-Wazir, Hessens Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, verschaffen, der am Mittwoch unaufgefordert zu den Demonstranten gestoßen war und hat die Situation genutzt, um 15 Minuten via Megaphone zu den Teilnehmern zu sprechen. Er verstehe die Lage und die Beweggründe der Reiseverkäufer, auf die Straßen zu gehen, gut. Zudem betonte Al-Wazir, welch wichtige Rolle die Reisebranche speziell in Hessen spiele. Al-Wazir ließ sich in Wiesbaden sogar auf eine Diskussion auf der grünen Wiese mit den Reiseverkäufern ein.

Die Hymne „Komm mit“ erklang bei fast jeder Demo

Aber nicht nur in Wiesbaden waren Expis aktiv, in Hamburg postierten sich rund 50 Teilnehmer in der Abflughalle, machten sich gegenseitig mit Reden Mut und sangen gemeinsam den eigens für die Protestbewegung von Felix Pfeffermann komponierten Song „Komm mit“. „Das war Gänsehaut pur, es flossen bei vielen auch Tränen“, erzählt Gabriele Kausche vom Reisebüro Reiselounge in Hamburg bewegt. Die musikalische Stimme der Bewegung „Wir zeigen Gesicht!“ Felix Pfeffermann gab die neue Hymne übrigens live bei den Protesten in Nürnberg zum Besten.

Marcel Klinge, tourismuspolitischer Sprecher der FDP im Deutschen Bundestag (3. von rechts) sprach mit den Protestlern in Berlin, darunter war unter anderem auch Cornelius Meyer, Vorstand Marketing und Vertrieb bei Best-Reisen (rechts).
Foto: Privat

In Berlin mischte sich Marcel Klinge, tourismuspolitischer Sprecher der FDP im Deutschen Bundestag unter die Protestler und sprach unter anderem mit Cornelius Meyer, Vorstand Marketing und Vertrieb von Best-Reisen, der ebenfalls vor Ort war. In seiner Rede forderte Klinge unter anderem: „Herr Altmaier, machen Sie Tourismus endlich zur Chefsache und schaffen Sie Lösungen. Ein Autogipfel nach dem nächsten ist ein Schlag ins Gesicht der Tourismuswirtschaft, deren massive Existenznöte nicht gehört werden und die keine Einladung ins Kanzleramt erhalten – trotz 3 Millionen Beschäftigten. Ein Tourismusgipfel ist längst überfällig!“

Und auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß meldete sich am Mittwoch per Twitter zu Wort: „Ich bin auch unzufrieden, würde gerne mehr Lösungen bieten. Aber wir stehen vor riesigen Herausforderungen und arbeiten hart an Lösungen.“ Und genau dafür sind die Reisebüros am Mittwoch sicherlich nicht zum letzten Mal auf die Straße gegangen. Ihre Forderungen: Es müssen Lösungen her und zwar schnell!

Demos von Reiseverkäufern
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Tausende Reiseverkäufer kämpfen um ihren Job

Protestaktionen in ganz Deutschland haben am Mittwoch wieder für einiges Aufsehen gesorgt. Reiseverkäufer machten in rund 50 Städten auf ihre ernste Lage durch die Coronakrise aufmerksam. Hier sind Bilder der beeindruckenden Aktionen.

In Hamburg demonstrierten Reiseverkäufer am Flughafen.
Foto: Christian von Schröder
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